Koordinationskreis der Initiativen und Umweltverbände gegen die A20

Presseinformation 10. Juni 2026

Bestehende Infrastruktur verrottet, während der Bund an Prestigeneubau A 20 festhält


Gleichzeitig schlägt die Wirtschaft Alarm wegen des maroden Schienennetzes.

Die Bonner Nordbrücke (Friedrich-Ebert-Brücke) ist seit Anfang Juni voll gesperrt. Sie ist eine von drei Brücken in Bonn. Rund 90.000 Kfz fahren dort täglich. Der ADAC schätzt, dass durch die Sperrung rund 50 Millionen extra Pkw-Kilometer für Umwege pro Jahr zusätzlich zusammenkommen können.(1)

Die Stadt Oldenburg wartet seit fünf Jahren auf den Neubau der Cäcilienbrücke mitten in der Stadt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sieht aktuell wegen des fehlenden Geldes keine Chance für einen „zügigen Neubau“ der Brücke. Handwerkskammer, Arbeitgeberverband, Industrie- und Handelskammer Oldenburg sowie die Stadt, Vereine und Politik kritisieren einhellig die Belastung der Stadt durch den sich immer wieder verzögernden Neubau der Brücke.(2)

Gleichzeitig schlägt die Wirtschaft Alarm wegen des maroden Schienennetzes. Die Ein- schränkungen im Schienengüterverkehr verursachen inzwischen auch spürbare volkswirtschaftliche Schäden.(3)

Insbesondere die Moorstraßen im Ammerland, der Wesermarsch und auch im Kehdinger Land sind teilweise in katastrophalem Zustand. Davon sind nicht nur kommunale und Kreis- straßen betroffen. Auch Landesstraßen müssen wegen der Straßenschäden aus Sicherheitsgründen geschwindigkeitsbeschränkt werden.

Für die meisten Bürgerinnen und Bürger sind nicht Autobahnen, sondern kommunale Straßen Teil ihres täglichen Lebens. Sie nutzen sie auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Ein- kaufen oder zum öffentlichen Nahverkehr. Gerade diese Straßen leiden vielerorts unter Schlaglöchern, beschädigten Fahrbahnen und einem erheblichen Sanierungsstau. Dennoch fließen Investitionen häufig in prestigeträchtige Fernstraßenprojekte wie die A 20, während die Infrastruktur vor Ort weiter verkommt.

Dazu äußert sich Uwe Schmidt, Sprecher der Initiativen gegen die A 20: „Intelligente Infrastrukturpolitik sollte sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren. Dazu gehört, den Erhalt bestehender Straßen und Brücken stärker zu priorisieren, anstatt den Fokus auf ein Großprojekt wie die A 20 zu legen. Wer die Verkehrsinfrastruktur nachhal- tig stärken will, muss zuerst die Basis sichern. Andernfalls entsteht der Eindruck, dass Presti- geprojekte wichtiger sind als die existenzielle alltägliche Mobilität der Menschen vor Ort, was die Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der Menschen weiter schürt.“

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